Volkshilfe Kindergrundsicherung

2. Preis 2020

Land: Österreich

Region: ganz Österreich

Sektor: Zivilgesellschaft / Sozialwirtschaft

Handlungsfelder: Armut, Erwachsenenbildung, Familie

Projektträger: Volkshilfe Österreich

Verantwortliche*r: Mag.a (FH) Judith Ranftler, MA

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Herausforderung

Jedes fünfte Kind in Österreich ist armutsgefährdet. Kinderarmut bedeutet nicht nur das Fehlen materieller Güter – betroffene Kinder sind auch ausgrenzungsgefährdet. Damit Entwicklungsmöglichkeiten und Zukunftschancen von Kindern nicht vom Einkommen der Eltern abhängen, hat die Volkshilfe Österreich ein Modell der Kindergrundsicherung entwickelt.

Idee

Die Idee ist Kinderarmut in Österreich abzuschaffen. Das Neue dabei: Selbstermächtigung der Familien anstatt Sachleistungen. Armutsbetroffene Familien erhalten eine monatliche kindbezogene Leistung, gestaffelt nach Einkommen (max. 625 Euro). Sie entscheiden gemeinsam mit ihren Kindern, wie sie deren soziale Teilhabe sichern.

Akteur*innen

Armutsgefährdete Familien mit ihren Kindern. Sowohl die Eltern als auch die Kinder definieren im sogenannten Kinderzukunftsrat ihre Wünsche und Ziele gemeinsam. Die begleitenden Sozialarbeiter*innen im Modellprojekt dokumentieren lediglich die Veränderungen, die die ausbezahlte Kindergrundsicherung bei den Kindern bewirkt.

Wirkung

Nach 3 Monaten im Modellprojekt konnten wir bei den Kindern eine Selbstermächtigung erleben. Kinder die zu Beginn kaum kommunizierten hielten plötzlich Augenkontakt, sprachen öfter & formulierten Wünsche. Oder in den Worten der Kinder: „Wir lachen jetzt alle mehr.“ oder „Ich kann mir sogar eine Jause kaufen und bin im Geschäft mein eigener Herr."

Transfer

Die Volkshilfe führt derzeit ein Modellprojekt durch, um die Auswirkungen der Kindergrundsicherung festzustellen. Ziel ist es, dass die Kindergrundsicherung als staatliche Leistung eingeführt und auf ganz Österreich ausgebreitet wird. Das Modell ist auf ganz Österreich übertragbar und auch sozial leistbar.

Würdigung der Jury

Kinderarmut ist gut erforscht. Hier werden erstmals die Folgen einer plötzlichen Aufhebung der Armut durch eine finanzielle Grundsicherung aus der Sicht des Kindes wissenschaftlich aufgezeigt. Das Projekt verknüpft einen experimentellen Ansatz und konkrete Hilfe mit politischer Lobbyarbeit. Die sich über Generationen hinweg vererbende gesellschaftliche Benachteiligung durch Armut soll beendet werden. Der sozial innovative Hebel ist einzigartig (und) groß. Die Grundannahmen haben sich bestätigt: Arme Kinder und ihre Familien wissen genau, wofür sie das zusätzliche Geld ausgeben müssen. Die Wirkung tritt rasch ein. Und es ist finanzierbar.